Gitarrenmusik in der Goetheschule – Reentko Dirks und Erkin Cavus stellen das Instrument Gitarre und den Beruf des Gitarristen vor

Sternenhimmel mit leuchtendendem Lagerfeuer, guter Laune und Gitarrenmusik – ein gelungener Sommerabend. Zwar war es weder Abend noch brannte ein Lagerfeuer, aber faszinierend war es trotzdem, der Gitarrenmusik in der Aula der Goetheschule zu lauschen: Den Schüler*innen des neunten Jahrgangs sowie der Klasse 6b stellten Reentko Dirks und Erkin Cavus die Gitarre als Musikinstrument vor. Ein Kurzabriss der Geschichte zeigte, dass die uns aus der modernen Popmusik bekannte Gitarre lange Tradition hat und eigentlich in allen Kulturen verwendet wurde und wird. Wie sie vor ca. 250 Jahren in den Werken Scarlattis klang, zeigten die beiden Gitarristen an einem Musikbeispiel. In Europa sorgte Gitarrenmusik dann für den akustischen Hintergrund in der sich ausbreitenden Kaffeehauskultur. In Spanien hingegen vermochte das Instrument beim Flamenco als wichtiges „den Ton zu bestimmen“. In Nordamerika waren es vor allem die (Zwangs-)Einwanderer aus Afrika, die in Form des oft eher traurigen Blues ihrem Gefühl musikalisch Ausdruck verliehen und dazu die Gitarrenmusik nutzten. Immerhin war die Gitarre ein eher erschwingliches und „mobiles“ Instrument. Aus der Vorliebe der außereuropäischen Musik für Improvisation kristallisierte sich dann die Musikrichtung des Jazz heraus – ebenfalls in Nordamerika eng verknüpft mit der Gitarre. In den 1960er Jahren kamen gesellschaftskritische, politische „Töne“ hinzu; davon legen die Improvisationen und die spektakuläre Zerstörung seines Instruments durch Jimi Hendrix Zeugnis ab. Und heute? Auch heute ist die Gitarre wesentlicher Bestandteil der Musik, z.B. bei den Singer Songwritern wie Max Giesinger und Tim Bentzko. Ed Sheeran ist bekannt dafür, jeden Song auf der Gitarre zu komponieren. 

Eine Gitarre, die eher im arabischen Kulturkreis verwendet wird, ist die bundlose Gitarre, die Erkin Cavus vorstellte. Sie ermöglicht aufgrund des gleitendenden Klangbilds eine gute „Imitation“ der menschlichen Stimme, ein Vorteil, wenn Musik als Imitation des Gesangs verstanden wird. Das kurze Anspielen veranschaulichte stets das Erklärte, und so konnten die Zuhörer*innen sowohl die unterschiedliche Klangweise hören und zeitgleich erfahren, wie prägend die Taktfrequenz für die beiden Musikkreise ist. 

Die Begeisterung der beiden Musiker machte die Vorstellung des Instruments „Gitarre“ spannend und anschaulich informativ. Natürlich durfte eine Fragerunde nicht fehlen. Und da beeindruckt es schon, wenn man hört, dass es für zwei freie Plätze an einer Musikhochschule ca. 50 Bewerbungen geben kann. So erschließt es sich, dass die beiden Gitarristen mit 7 bzw. 14 Jahren anfingen, „ernsthaft“ Gitarre zu spielen. Wer das Studium erfolgreich absolviert hat, hat nicht gleich den „einen Job“ fürs Leben, sondern dem bietet sich die Möglichkeit, an Musikschulen, einer Musikhochschule oder an Schulen zu unterrichten. Besonders cool klingt es, wenn man mit bekannten Künstlern zusammenarbeitet oder Filmmusik komponiert. Doch der Schein möge nicht trügen. Oft stehe die Organisation des Musikerlebens im Vordergrund: Die Suche nach Auftritten, Verhandlungen und viel Bürokratie sorgten manchmal dafür, dass die Gitarre nicht immer gespielt werden könne. 

Der sympathische, ehrliche Einblick in Ausbildung und Beruf eines Gitarristen konnte für die Schüler*innen einen kleinen Beitrag zur Berufsorientierung leisten; ein Einblick in die Welt eines spannenden Musikinstruments war es allemal. Der Dank gilt dem Kulturverein „Esel“ in Sülbeck für die Unterstützung der Reihe „Musikinstrumente und Musiker stellen sich vor“ an der Goetheschule. Und beide Musiker, Reentko Dirks wie Erkin Cavus, sind so charmante Botschafter ihres Berufs bzw. ihrer Berufung, dass sie allen Interessierten einen Platz am Lagerfeuer anboten, welches am Ende des Tages, am Ende des Konzerts im Esel in Sülbeck den Sternenhimmel erleuchten sollte – mit guter Laune und Gitarrenmusik. 

Susanne Mosler